Kromlau in Sachsen (Deutschland)

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23. Februar 2021

Lieber Untertan,

Deutschland ist ein sehr altes Land. Nicht nur, dass es um 1800 aus über dreihundert Kleinststaaten bestand, aus denen sich später ein einheitlicher Staat bildete – hier gibt es unzählige Schlösser, jahrhundertealte Parks und vergessene Adelsdynastien. Heute möchte ich dir von meinem Besuch in Kromlau in Sachsen erzählen, der für mich ein spannender Geschichtskurs war. Meine Gastgeberin war keine geringere als die Blütenkönigin Tonie Jahnke, oberste Monarchin eines märchenhaften Ortes, welcher dreihundert Seelen beheimatet.

Miau Miau Miau. Diese Reise führt mich also gar nicht so weit weg von Cottbus.

Kromlau ist ein Dorf im sorbischen Siedlungsgebiet und bekannt für seinen Rhododendronpark, eine der größten Parkanlagen in Sachsen. Im Jahr 1842 begann Friedrich Herrmann Rötschke mit den ersten Arbeiten an diesem Ort, indem er Teiche graben und Hügel aufwerfen ließ, die er mit Eichen schmückte. Unangefochtenes Wahrzeichen dieses Ortes ist aber die Rakotzbrücke, die in einem harmonisches Bogen über den gleichnamigen Teich geschwungen ist. Ein weiterer Hingucker daneben ist das Herrenhaus, von dem nur wenig bekannt ist. Nach den lückenhaften Informationen soll es durch Karl Gottfied von Rabenau 1806 vollständig umgebaut worden sein, andere munkeln, im Park wurden rauschende Feste gefeiert, in dem sich die Paare amüsierten und austobten. So wundert es nicht, Gott Apollo auf einem Spaziergang zu treffen, der sicher nur Gutes im Schilde führt.

Blütenkönigin Tonie zeigte mir aber nicht nur ihr Königreich, sondern auch spannende Orte drumherum. Wir besuchten den Wasserturm und den Turm am schweren Berg in Weißwasser und feierten gemeinsam Weihnachten und Karneval. Aber mein Highlight dieser Reise war der Besuch ihres Nachbarn, dem Fürst Pückler. Oder besser gesagt: Seines Parks in Bad Muskau, weil er bereits seit längerer Zeit tot ist. Natürlich denken viele zuerst an das Neue Schloss, einer barocken Dreiflügelanlage im auffälligen Rot, aus dem Pückler eine Muskauer Akropolis machen wollte, was seine immer klammen Kassen aber nicht zuließen. Andere richten ihr Augenmerk  auf den Park, der ganz im Stil der Romantik angelegt wurde. Mit Romantik meine ich aber nicht die Verabredung à la Candlelight Dinner, sondern eine Epoche der Philosophie, deren bekannter Vertreter Pückler war. Deshalb trifft man hier überall auf die Farbe Blau, die auf die blaue Blume hindeutet, einem wichtigen Symbol. Sie steht für das Streben nach Liebe und der Sehnsucht – wie auch die Romantik bedeutet, die äußere Welt durch Erkenntnisse unseres Innern zu begreifen. Architektur ist also auch ein Statement für das eigene Denken. Pückler erschuf eine ganze Welt nach seinen Symbolen. Deshalb sind seine Parks so legendär. Miau Miau Miau.

Wenn ich an diesen Ort denke, fallen mir aber auch Krieg und Wiederaufbau ein. Denn das Schloss, von dem ich dir gerade erzählte, brannte am 30. April 1945 nieder – am Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Frontlinie zwischen Hitlers Deutschem Reich und Stalins Russland verlief wochenlang im Muskauer Neißetal. Siebzig Prozent der Stadt, alle Brücken und auch das Alte Schloss fielen den Kriegsereignissen zum Opfer. Das alles liegt zwar 75 Jahre zurück, aber wir sollten uns in Erinnerung rufen, wie gefährdet die Dinge sind, die wir lieben, wenn sie der Gewalt erliegen. Für nichts im Leben gibt es eine Garantie, schon gar nicht für etwas so Banales wie den Frieden. Im Jahr 2013 wurde das Neue Schloss wieder erbaut und beweist, dass es sich lohnt, zu erschaffen, anstatt zu zerstören. Heute ist morgen gestern – es liegt in unserer Hand.

Nun zurück zu Tonies Königinnenreich, denn darum geht es ja in meinem Bericht: Der Ortsteil Kromlau ist ein typisches Zeilendorf, das am Rande einer eiszeitlichen Stauchmoränenlandschaft, dem Muskauer Faltenbogen liegt. Der Ortsname leitet sich entweder vom sorbischen „chrony law“ ab, was so viel wie schiefe, krumme Jagd oder Ackermark bedeutet oder von „Kroma“, was man mit „am Rande gelegen“ übersetzen kann. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lebten die Bewohner hauptsächlich von der Land- und Forstwirtschaft, später fanden sie Arbeit im Bergbau oder in der Glasindustrie. Heute ist der Ortsteil Kromlau ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Touristen aus nah und fern.


Aber wer ist denn nun Tonie, fragst du dich? Denn genauso spannend wie meine Reise ist der Mensch hinter der Person, die als Kromlauer Blütenkönigin bekannt ist. Denn hinter all den schönen Kleidern und ihrer Hingabe für ihre Heimat steckt knochenharte Arbeit. Ich hatte die Ehre, ihr ein paar Tage über die Schulter zu sehen, denn wir Königinnen müssen die Zeit nutzen, um voneinander zu lernen. Allein ihre kostbare Garderobe verschlingt Stunden, die sie damit zubringt, Stoffe mit Steinen zu besetzen und daraus Gewänder zu kreieren. Miau Miau Miau. Gottseidank war ich da, um zu helfen. Es sind gerade die kleinen Details, die oft den Gesamteindruck formen. In der Hafenstube in Weißwasser hat Tonie darüber hinaus ein Büro, von dem sie ihr Königreich managt und ihre Kampagne kreiert – mit Fotos, Videos und Social Media. Sie studiert im Bereich Kultur, um aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen. Sie ist eine Perfektionistin mit Leib und Seele. Diese manchmal kalte Welt in ein Königreich zu verwandeln ist eine Kunst. Und Tonie ist eine Künstlerin.

Der viele Schnee, der in den vergangenen Wochen auch auf das kleine Kromlau rieselte, täuscht nicht über meine Erinnerungen hinweg. Ich traf an einem geschichtsträchtigen Ort einen modernen Menschen, der seine Heimat liebt und gern mit anderen teilt. Auf meinen bisherigen Reisen erlebte ich nicht nur wunderschöne Orte, sondern auch liebevolle Gastgeber, die zu meinen Freunden wurden. Was könnte schöner sein als das Gefühl, überall auf der Welt willkommen zu sein?

Damit hinterlasse ich liebe Grüße von Tonie aus Kromlau. Meine nächste Station ist Griechenland.



Es grüßt obrigkeitlich, Königin Gondula.

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