Tansania (Afrika)

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04. Juni 2021

Lieber Freund,

Afrika hat meine Sicht auf diese Welt verändert und forderte mir einiges ab. So ist es ein kleines Wunder, dir diesen Bericht schreiben zu können. Ich erzähle dir von meiner Reise nach Sansibar und Tansania, wo ich eine starke Seele dabei begleiten durfte, zu sich selbst zu finden – fern abseits der Heimat.

Angekommen an einem Samstag im Ramadan, begann meine Reise auf der Insel Sansibar. Meine Plüschpatin Sophie hat mir erzählt, dass auf der Insel überwiegend Muslime leben, also hieß es tagsüber fasten und sichtbare Körperstellen bedecken, was mir als fellige Katze nicht schwerfiel. Miau Miau Miau. Sansibar wirkt wie der wahr gewordene Traum aller Reisenden … eine Vorlage für herrliche Strandbilder und wunderschöner Kitschpostkarten. Doch tatsächlich ist dieser Ort bekannt als Afrikas Gewürzinsel. Dank der perfekten klimatischen Bedingungen gibt es hier eine gewaltige Fauna mit üppigem Pfeffervorkommen und hunderten verschiedenster Kräuterpflanzen. 

Fast vergessen scheint dagegen ein dunkler Schatten auf der Geschichte Sansibars: Noch vor 200 Jahren galt die Inselgruppe als Zentrum des ostafrikanischen Sklavenhandels – einmal ganz abgesehen von der Kolonialzeit. Hier gab es auf den bunten Märkten neben dem begehrten Elfenbein und Gewürznelken vor allem eines: Aberhunderte Sklaven. Sie wurden von arabischen Muslimen in den Nahen Osten verkauft, um als Feldarbeiter, Lehrer oder Haremswächter eingesetzt zu werden. Diese Praxis reicht zurück in die Antike und schätzungsweise wurden 17 Millionen Afrikaner versklavt, von denen eine große Mehrheit sehr früh verstarb. Erst 1909 galt die Sklaverei in Sansibar als überwunden. Oft dauert es Jahrhunderte, Unrecht zu überwinden und ich möchte daran erinnern. Alle Menschen sind wertvoll und verdienen Freiheit.

Schon wenige Tage nach meiner Ankunft auf Sansibar flogen wir ausgerechnet mit einer Propellermaschine nach Arusha, um von dort aus auf Safari zu gehen. Die Route führte uns durch die nördlichen Nationalparks – dem Tarangire-Nationalpark, dem Lake Manyara, der Serengeti und zum Schluss dem Ngorogoro-Krater. Dabei entdeckten wir nicht nur die Big Five, wie die Jäger früher die Mischung aus Nashorn, Löwe, Elefant, Büffel und Leopard nannten, nein, wir sahen eine atemberaubende Natur, die so vielfältig ist wie das ganze Leben. Mein Highlight war das Aufeinandertreffen mit einem echten Löwen und mit Flamingos, die ich für die schönsten Tiere überhaupt halte. Miau Miau Miau.

Was danach folgte, war nicht schön: In Arusha, als wir zum Viktoriasee fahren wollten, wurde ich von einem Taxifahrer entführt. Wir waren mit einer Reisegruppe unterwegs zum Flughafen und eine Tasche mit mir darin wurde im Auto vergessen, was im Grunde nicht schlimm wäre, hätte der Fahrer nicht ein Lösegeld gefordert. Es folgten sieben Tage, an denen sich mein Kidnapper immer abenteuerlichere Geschichten einfallen lassen hat, um von Sophie mehr Geld verlangen zu können. Zwar schnappte sich die Polizei den Dieb, aber schnell wurde klar, dass die Beamten mit an der Rückgabe der Tasche verdienen wollten. Dass Sophie mich zurückbekam, war ein wahres Wunder. Wir verdankten es tollen Menschen, die den Fahrer kannten und ihm ins Gewissen redeten. Ich bin froh, wohlauf zu sein ...

Danach ging es für uns in einen tiefen Schacht in der Nähe des Kilimandscharo-Airports unweit von Arusha auf der Suche nach dem Edelstein Tansanit, einer blauen Variante des Minerals Zoisit, der außer hier nur noch in Pakistan zu finden ist. Natürlich schnappten wir uns einen Stein. Im Anschluss begaben wir uns zum Kilimandscharo Nationalpark, in dem uns der höchste Berg Afrikas erwartete, den wir jedoch nicht besteigen wollten nach all dem Stress. Hier trafen wir auf einen echten Wasserfall und zahlreiche Naturvölker.  Die letzten Tage ließen wir am Kigamboni-Strand von Daressalam ausklingen, wo die Menschen nach Ende des Ramadans ausgelassen feierten.

Meine Gastgeberin Sophie stammt übrigens aus der Lausitz. Weit weg von der Heimat begab sie sich ganz allein auf eine mehrmonatige Reise durch Afrika. Sie kam nach Tansania, um Heilung für die Seele zu finden. Der Lebensweg der 25-jährigen begann eigentlich ganz normal: Studium, Beruf, Alltag. Doch durch zunehmenden Druck ihrer Kollegen, in den Hintergrund zu treten, und einer schlimmen gesundheitlichen Diagnose, konnte sie nicht weitermachen wie bisher. Obwohl eine große Karriere lockte. Sie wechselte in die Altenpflege und half Senioren, ihren Alltag zu meistern. Der Kontakt zu ihnen baute sie wieder etwas auf und ließ den Wunsch in ihr wachsen, sich frei zu machen ... an Herausforderungen zu wachsen. Die Safari, meine Entführung und all die anderen Abenteuer zwangen sie, mit ihren Ängsten umzugehen und stark zu sein. Afrika war ihre Reise zu sich selbst. Sie will ihr neues starkes Ich nutzen, um sich ihre Zukunft nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Vor dieser jungen Frau ziehe ich meinen Hut, dass sie sich allein in eine ferne Welt begab und darin bestand.

Von dieser Reise bleibt mir die Erinnerung an ein Land mit einer atemberaubenden Natur und unglaublichen Gegensätzen zu dem Leben in der westlichen Welt. Vieles hier basiert auf Vertrauen und eine Gemeinschaft, die aufeinander aufbaut. Die Menschen sind vielleicht sehr arm, aber nicht arm im Herzen.



Es grüßt obrigkeitlich, Königin Gondula.


PS: Schaue dir den Reisebericht an, den Sophie geschrieben hat.